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Mittwoch, 8. Juli 2015

Nachruf auf den Mond



Story:
»Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.«

Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf - und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot - und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie …

Meinung:
Die Geschichte beginnt mit einem Campingurlaub der Familie Homes im englischen Cornwall, als der neunjährige Matthew ein Mädchen beobachtet, wie es eine Puppe begräbt. Bald darauf stirbt Matthews Bruder Simon und plötzlich ist alles anders.

In der Ich-Perspektive schildert der Junge seine Erfahrungen in den nächsten Tagen und Wochen nach dessen Bruders Tod. Er berichtet von seiner Mutter, welche ihn zu Hause unterrichtet, übervorsichtig ist und vor allem mit dem Nerven am Ende ist. Ausflüge zu seinen Großeltern sind für Matthew in dieser ersten Zeit eine willkommene Abwechslung, dennoch ist der gewohnte Ablauf in der Familie nicht mehr derselbe, wofür sich der Junge die Schuld gibt.

Die Geschichte wird als Art Tagebuch präsentiert, welche sich auch im Erscheinungsbild des Buches bemerkbar macht. Matthew verfasst einige Einträge mittels Schreibmaschine und andere auf einem PC in der Southdown Klinik in Bristol. Er ist in der dortigen Psychiatrie aufgenommen. Bei ihm wurde Schizophrenie diagnostiziert, überall sieht er seinen Bruder Simon und dessen Mondgesicht. Matthew bezeichnet es so, da sein älterer Bruder das Downsyndrom hatte. Egal ob es nun die Wolken sind, die Blätter im Park oder in Träumen. Der verstorbene Bruder ist immer gegenwärtig und leitet Matthews Handlungen. Ob es nun die Verwirklichung eines vergeblichen Wunsches, eine Ameisenfarm, ist oder eine Reise zurück an dem Ort des Geschehens, der kleine Simon ist immer in Matthews Kopf.

Durch die Zeit- und Handlungssprünge in Matthews Erzählungen wird Spannung aufgebaut und die Neugierde bei der Leserschaft erweckt. Obwohl man schon zu Beginn weiß, dass Simon gestorben ist und davor noch eine für ihn außergewöhnliche Leistung erbracht hatte, bleiben die genauen Todesumstände noch lange im Unklaren. Auch wirkt zwar Matthew in seinen Erzählungen meist klar und strukturiert, um später zu erfahren, dass sein bisheriges Leben chaotisch und von Kummer geprägt war.

Dem ursprünglichen Krankenpfleger auf der psychiatrischen Station im Bristoler Krankenhaus, Nathan Filer, ist mit seinem Debütroman ein berührendes Werk gelungen. Auch wenn es vielleicht den Anschein machen könnte, dass es die Familie Homes besonders hart "getroffen" hätte, bleiben die Charaktere dennoch immer authentisch und nahbar. Selten wurde eine psychiatrische Krankheit so unkonventionell und dennoch lesenswert thematisiert.

Der Autor lebt mit seiner Familie selbst in Bristol und hat für diesen Roman unter anderem den renommierten Costa Book Award im Jahr 2013 erhalten.

Fazit:


Nathan Filer ist mit "Nachruf auf den Mond" der große Wurf gelungen. Eine berührende, mitreißende Geschichte über Familie und Zusammenhalt, wie stark dieser sein kann oder wie man daran (fast) zerbrechen kann, ohne dabei die Hoffnung zu verlieren.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Samstag, 30. Mai 2015

Die famose Insbettbringmaschine


Story:
Was kleine Quälgeister lernen müssen: Es ist nicht gut, wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen. Es ist Schlafenszeit und Tim soll ins Bett. Aber er will nicht. Er wünscht sich eine Ausziehzähneputzwaschundinsbettbringmaschine. Mit der geht alles ganz einfach und schnell. Eh man sich versieht, liegt nicht nur Tim im Bett, auch seine Mutter, die Großmutter, der Vater, der Bäcker und alle anderen Bewohner der kleinen Stadt werden sorgfältig unter die Decken gepackt. Und wer aufstehen möchte, wird schnellstens wieder hingelegt. Als Tim ausgeschlafen ist, gibt es kein Frühstück: Seine Eltern kommen nicht aus den Federn und der Bäcker hat kein frisches Brot gebacken. Tim bereut, dass er sich so eine blöde Maschine gewünscht hat. Da bleibt sie zum Glück stehen. Der Akku ist leer. Und Tim und seine Mama überlegen, wie man den Automaten auch anders nützen könnte.

Meinung:
Welcher Elternteil kennt dieses Problem nicht? Es ist Schlafenszeit und die Kinder wollen sogar nicht mitspielen. Jede Ausrede oder Ablenkung ist den kleinen Rackern dann recht, um den Weg ins Land der Träume zu vermeiden.

Die Illustratorin Sylvia Graupner hat im vorliegenden Buch eine nette Abhilfe mit der famosen Insbettbringmaschine entwickelt.

Auf knapp 30 Seiten mit großflächigen Illustrationen und kurzen Texten, erleben wir, wie Tim seine Erfahrungen mit diesem Wunderwerk der Technik erlebt. Dabei kennt die Maschine keine Gnade. Alles und jeder muss ins Bett gebracht werden. Das führt natürlich zwangsläufig zu einigen skurrilen Szenen.

Da es sich um ein Kinderbuch handelt, darf man sich natürlich keine Aufarbeitung im Sinne Technik vs. Menschheit erwarten. Leider bietet der Text auch nur wenige Inhalte, während die Illustrationen für den einen oder anderen Lacher sorgen können.

Aufgrund der geringen Seitenanzahl eignet sich das Buch perfekt zum Vor- und Selberlesen am Abend.

Sylvia Graupner wurde 1973 in Annaberg geboren. Nach dem Schulabschluss arbeitete sie als Bühnenbildassistentin an den Bühnen der Stadt Gera. Von 1992 bis 1995 studierte sie Bühnenbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Die folgenden vier Jahre widmete sie dem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig in der Fachklasse für Illustration. 1999 machte sie ihren Abschluss, 2002 folgte der Meisterschülerabschluss. Sylvia Graupner lebt mit ihren zwei Kindern in Annaberg und arbeitet als freiberufliche Illustratorin für verschiedene Schulbuchverlage und Theater.

Fazit:
Eine Maschine, welche die Kids automatisch am Abend ins Bett bringt? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Genau das zeigt uns das illustrierte Buch. Leider ist der Inhalt mit knapp 30 Seiten und wenig Text sehr überschaubar.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks



Donnerstag, 28. Mai 2015

24: Deadline



Story:
Im spannenden Finale der achten Staffel von 24 wird Bundesagent Jack Bauer zum Flüchtigen erklärt. 4 Jahre später startet die tickende Uhr erneut, als Jack Bauer wieder auftaucht - dieses Mal in London. Findet nun heraus, was geschah, als die Uhr vor vier Jahren verblasste …

Es ist 5:00 Uhr nachmittags. Wenn Jack Bauer überleben will, muss er das Land verlassen und dafür hat er nicht viel Zeit. Jacks ehemalige Kollegen der Counter Terrorist Unit CTU sind tot, verhaftet oder kaltgestellt. Er hat keine Ressourcen mehr, die er anzapfen kann, keine Verstärkung und weiß nicht, wohin er fliehen soll - nur seine Willensstärke kann ihn noch retten.

In der Zwischenzeit hat das FBI in aller Eile eine Einsatzgruppe zusammengezogen, die Jack aufspüren und verhaften soll. Die Russen haben Ähnliches vor: Ein Team des russischen SVR soll Jack in einer Geheimoperation stellen. Der einzige Unterschied - ihre Befehle besagen, Jack sofort zu erschießen. Während die Uhr herunterzählt, steht Jack bei seinen verzweifelten Versuchen, seinen Verfolgern einen Schritt voraus zu sein, alten Freunden und wohlbekannten Feinden gegenüber. Er hinterlässt ihnen allen eine abschreckende Warnung: Lasst mich in Ruhe und ich bin in 24 Stunden verschwunden. Ihr seht mich dann nie wieder. Verfolgt mich … und ihr werdet es bereuen.

Meinung:
Jack Bauer, in der Serie von Kiefer Sutherland gespielt, ist der Mann fürs Grobe.

Egal ob es um Anschläge auf Präsidenten der Vereinigten Staaten oder gleich auf ganze Länder, wenn jemand eine Katastrophe verhindern kann, dann der exzentrische Bundesagent.

Der britische Autor James Swallow hat mit "Deadline" die Brücke zwischen der achten Staffel der Serie und dem TV-Film "Live Another Day" geschlagen. Somit geht ein Spannungselement etwas verloren, Jack Bauer wird also definitiv überleben.

Nachdem Bauer aber sowohl von den Russen als auch den eigenen Leuten gejagt wird, ist seine Mission schwieriger denn je. Bevor er die Staaten endgültig verlassen kann, will er ein letztes Mal seine Tochter und Enkeltochter sehen. Sie ist das einzige noch verbleibende Familienmitglied. Damit er nach Los Angeles gelangen kann, braucht er jedoch Hilfe, welche er auch bekommt.

Dabei kann er auf Weggefährten früherer Zeiten zurückgreifen. Fans der Serie wissen natürlich sofort Bescheid, während der Roman aber dennoch auch für Erstleser sehr gut geeignet ist. Generell trifft der Autor die Charaktere sehr gut. Anders als in der TV-Serie hat Jack im Buch Zeit um etwas zu trinken, zu essen oder kurz mal einzudösen. Sobald jedoch Gegner auftauchen, schlägt die gnadenlose Killermaschine zu. Egal ob es nun Agenten oder Motorradgangs sind, der Eliteagent kennt keine Gnade.

Anders als in der Fernsehserie, gibt es im Roman nur wenige Handlungsschauplätze. Es dreht sich hauptsächlich alles um Jack und den russischen bzw. den Bundesagenten. Dabei treten zahlreiche bekannte Charaktere der CTU auf, als auch frühere Feinde von Jack. Allerdings werden diese Auftritte grundsätzlich logisch erklärt und wirken nicht extra für die Fans aufgesetzt.

Die Handlung nimmt rasant Fahrt auf und lässt den Leser kaum Verschnaufpausen. Auf rund 410 Seiten erlebt Jack Bauer seit langem wieder ein emotionales, persönliches Abenteuer ohne Atombomben, Affären oder Politik-Geplänkel.


Fazit:
Mit "Deadline" ist James Swallow ein gelungenes Abenteuer rund um den Agenten Jack Bauer gelungen. Treffsicher sind nicht nur die beschriebenen Actionsequenzen sondern auch die Charakteristik der Protagonisten. Ein packender Roman, welcher nicht nur für Fans der Serie geeignet ist.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Mittwoch, 27. Mai 2015

Die Omama im Apfelbaum



Story:
Andi ist traurig, weil ausgerechnet er keine Oma hat. Und dann sind es plötzlich zwei: eine, die sein Versteck im Apfelbaum kennt, und mit der er die tollsten Abenteuer erlebt. Sie fährt ein himmelblaues Auto und reitet auf einem Tiger nach Indien. Die zweite Oma backt ihm Zwetschkenkuchen, ist sehr gemütlich und lässt sich von Andi gerne umsorgen.

Meinung:
Mira Lobe ist eine der bekanntesten und wichtigsten Kinder- und Jugendbuchautoren des vergangenen Jahrhunderts. "Die Omama im Apfelbaum", 1965 erschienen, zählt zu diesen ausgezeichneten Büchern.

Andi geht in die Schule, hat zwei Geschwister aber keine Großmutter. Darüber ist er traurig, da seine Freunde von tollen Erlebnissen mit deren Omas erzählen. Eines Tages zeigt Andis Mutter dem Jungen ein Foto von seiner Großmutter, mit großem Federhut und langem Spitzenkleid. Wenig später begegnet er dieser Frau dann tatsächlich - im Apfelbaum draußen im Garten.

Die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten freunden sich sofort an. Andi hat endlich eine Großmutter, welche mit ihm Ringelspiel am Rummelplatz fährt, große, knackige Würstel isst und Zeit mit ihm verbringt. Dabei hat der Junge die schrullige Großmutter nur erfunden, auch wenn das Andi anfangs nicht wahr haben will.

Daher erlebt er immer witzigere Abenteuer mit seiner Omama, für die es kein Hindernis zu geben scheint. Später tritt noch Frau Fink, eine gebrechliche, alte Dame in Andis Leben, die zwar bei weitem nicht so "cool" ist wie seine Oma, aber eben aufgrund ihres Verhaltens ebenso den Großmutter-Status verdient hat. Sie stopft löchrige Socken, backt Kuchen und braucht hin und wieder Andis Hilfe. Somit hat auch der wissbegierige Bursche zwei Omas.

Neben der kindgerechten, in einfachen Sätzen gehaltenen Erzählung, fallen die liebevollen Illustrationen von Susi Weigel auf, welche gekonnt den Text in lustigen und treffenden Bildern darstellt. Beachtet man die Entstehungszeit des Buches, Mitte der 1960er-Jahre, verwundert es auch nicht, dass man typisch (österreichische) Begriffe darin findet, wie "Leiberl" oder (sich) "tummeln" (beeilen). Der Wiener Jungbrunnen-Verlag hat auch daran in der 30. Auflage nichts geändert.

Fazit:
Ein liebevolles Kinderbuch zum Selber- oder Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren. Andi zeigt, was alles mit Fantasie möglich ist. Daneben gibt's passende Illustrationen, ein Klassiker der in keinem Familienhaushalt fehlen sollte.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Montag, 20. April 2015

Darum



Story:
Stell dir vor, es ist Mord, und keiner glaubt dir. So geht es dem allseits beliebten Journalisten und Gerichtsreporter Jan Rufus Haigerer, der eines Abends einen Menschen niederschießt, um sich gleich darauf in die Hände der Justiz zu begeben. Dort will man ihn allerdings als Mörder partout nicht in Frage kommen lassen. Dennoch versucht er mit allen Mitteln, endlich für seine Tat verurteilt zu werden. Doch sein Wille zur Sühne wird durch das unerbittliche Wohlwollen der Mitmenschen auf eine harte Probe gestellt …

Meinung:
Es verübt jemand einen Mord, gesteht die Tat und dieser Person wird nicht geglaubt. Klingt ziemlich an den Haaren herbeigezogen oder? Ist es leider auch größtenteils.

Ein beliebter Journalist ist von seinem Beruf gelangweilt, in der Beziehung funktioniert es auch nicht mehr richtig und auch sonst ist Daniel Glattauers Figur kein wahrer Frohmut. Aufenthalte in dunklen Spielunken wie "Bob's Coolclub" werden als Recherche für Reportagen abgetan, doch in Wirklichkeit schmiedet Jan Rufus Haigerer einen irrwitzigen Plan.

Er erschießt einen wildfremden Mann mit roter Jacke in einer Bar. Das Chaos nimmt also seinen Lauf. Zuerst gibt sich Haigerer noch als interessierter Journalist, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Durch sein gutes Verhältnis zum Ermittler Tomek schöpft auch erstmals niemand Verdacht. Am nächsten Morgen gesteht Mörder seine Tat und zu Beginn will ihm niemand glauben. Er als angesehener Journalist soll einen anderen Menschen getötet haben? Eine absurde Vorstellung.

Doch langsam nimmt alles seinen Lauf, Haigerer sitzt in Untersuchungshaft und wie es der Zufall will, verguckt er sich in die Untersuchungsrichterin Helena Selenic. Die folgenden Szenen behandeln den Gefängnisaufenthalt des Täters bis hin zur Gerichtsverhandlung.

Daniel Glattauer lässt seinen Antihelden in ironischer und salopper Ich-Form erzählen. Streckenweise vermutet man, dass Haigerer unter Drogeneinfluss wäre oder einen Traum erleben würde. Als dann die Romanze mit der Untersuchungsrichterin beginnt, wird die Erzählung teilweise sehr poetisch.


Während hier der österreichische Autor seine Stärken ausspielt, lässt leider die Handlung zu wünschen übrig. Zu konstruiert, teils zu vorhersehbar agieren die Protagonisten. Die Erklärung für die Tat wird schlussendlich ziemlich schnell abgehandelt.

Daniel Glattauer, geboren 1960 in Wien, ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Vor allem durch seine "Einserkastl"-Kolumne auf dem Titelblatt der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" erhielt er nationale Beachtung. Neben "Darum" wurde auch bereits Glattauers Roman "Der Weihnachtshund" verfilmt.

Fazit:
Glattauer lässt seinen Protagonisten Jan Rufus Haigerer in Anlehnung an Kafkas "Prozess" eine Gefühlsachterbahn erleben. Langatmige und dann doch wieder ironische, unterhaltsame Passagen halten sich die Waage. Sicherlich kein erzählerisches Meisterwerk, dennoch für Krimifans eine zufriedenstellende Lektüre.
Zuerst erschienen bei Splashbooks

Freitag, 17. April 2015

Britannica & ich



Story: 33 Tausend Seiten, 44 Millionen Wörter, 10 Milliarden Jahre Geschichte - und 1 Mann, besessen von dem Wunsch, das Wissen der Welt zu erobern. A.J. Jacobs macht sich auf, die Encyclopaedia Britannica von A bis Z zu lesen: Goethe und Pythagoras, die Auster und ein Pantoffeltier, alles wird angeschaut und mit geistreichen Kommentaren versehen. "Britannica & ich" ist die Geschichte eines tollkühnen Unternehmens.

Meinung:
Die "Encyclopaedia Britannica" ist eines der renommiertesten und umfassendsten Nachschlagewerke des Planeten. Die Printausgabe bestand zuletzt aus 32 Bänden bevor sich der Verlag 2012 entschieden hat, vollständig auf eine digitale Veröffentlichung zu setzen. Man kann sich also ungefähr vorstellen, welche schier unmögliche Aufgabe es zu sein scheint, all dies Wissen aufzunehmen. Der Autor und Redakteur des "Esquire", A.J. Jacobs, hat genau das getan. Ganz so neu ist die Idee nicht, hatte doch Jacobs Vater schon zuvor versucht, sein Allgemeinwissen drastisch zu vermehren. Nachdem sich der Autor die Unterstützung seiner Frau und seiner Freunde geholt hat, ging es los. Aufeinander gestapelt lagen nun 1,25 m Wissen vor dem New Yorker.

Jacobs beginnt natürlich mit dem ersten Band und dem Wort A-ak, der erste Verweis auf ein späteres Wort. Das restliche Buch ist nach demselben Prinzip aufgebaut. Zu einem bestimmten Stichwort aus der Britannica liefert der Autor neben einer kurzen Erklärung meistens auch persönliche Anekdoten aus seinem beruflichen oder privatem Umfeld. Bei weiteren Stichworten greift er auf seine Erinnerungen in der Kindheit und Jugend zurück.

Der Leser erfährt zum Beispiel, dass Leonardo von Pisa, besser bekannt als Fibonacci, nicht nur ein genialer Mathematiker war, sondern seine These anhand sich vermehrender Kaninchen aufstellte. Das Kapitel über Norditalien hat zwar viele Informationen parat, ersetzt aber keinen Sprachführer. Bei seiner Reise nach Italien fallen jedoch Jacobs Freunden bereits auf, das er bei jeder Gelegenheit mit seinem neu erworbenen Wissen glänzen will. Dass dies auch zu einer Belastungsprobe werden kann, ist nur verständlich.

Das Experiment Britannica erweitert sich später noch um die TV-Komponente, nachdem sich der wissbegierige Autor bei "Who Wants to Be a Millionaire?" (US-Ausgabe von "Wer wird Millionär?") anmeldet.

Beim Lesen des Buches kommt man immer wieder ins Staunen. Viele Details, welche man entweder gar nicht wusste oder falsch in Erinnerung hatte, werden korrekt ins Gedächtnis gerufen. Eine Zeitlang kann man sogar mit diesem Wissen glänzen - und das obwohl man ja gar nicht selbst die Enzyklopädie liest. Durch die zahlreichen, persönlichen Anekdoten liest man gerne weiter und kann schon gar nicht erwarten, welche Geschichte zum Beispiel hinter "Triumvirat" steckt.


Fazit:
Wenn doch nur Wissensvermittlung immer so amüsant und abwechslungsreich wäre wie in diesem Buch. So irrwitzig die Idee auch erscheinen mag, eine Enzyklopädie zu lesen, so toll aufbereitet wie hier, macht es Lust auf mehr.
Zuerst erschienen bei Splashbooks

Donnerstag, 16. April 2015

Die neue Omi




Story:
Finis Omi hat sich verändert. Sie findet sich nicht mehr alleine zurecht. Darum ist sie zu Fini und ihren Eltern gezogen. Doch wirklich gut klappt das Zusammenleben erst, als Agatha kommt und sich jeden Tag einige Stunden um die Omi kümmert.


Meinung:
Über 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt, Tendenz stark steigend. Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen, so die Wikipedia-Definition. Doch wie geht man nun im eigenen Umfeld damit um, wenn jemand an dieser Krankheit leidet. Keinesfalls eine leichte Situation und schon gar nicht, wenn man das Krankheitsbild einem Kind erklären muss.

Fini mag ihre Oma auch wenn sie über die Frisur des jungen Mädchens meckert. Sie erzählte über ferne Länder und kochte exotische Gerichte. Doch irgendwann hat sich die Großmutter des Mädchens verändert. Anstatt die Enten im Park zu füttern, ist die neue Oma die Brotkrümel lieber selber. An selbstständiges Kochen ist nicht mehr zu denken, nachdem sich Finis Oma an den Herdplatten die Hände wärmen wollte.

Sowohl die Eltern als auch das Mädchen sind mit der Situation überfordert. Es ist ihnen nicht möglich, sich in passender Art und Weise um die demente Frau zu kümmern. Schlussendlich engagieren die Eltern eine Haushaltshilfe, mit der sich Fini gemeinsam um ihre Oma kümmern kann.

Gepaart mit netten Illustrationen im Sepia-Look, erklärt Autorin Elisabeth Steinkellner auf liebevolle Art und Weise, wie sehr sich das Familienleben verändern kann, wenn eine Person an Demenz oder Alzheimer erkrankt. Gerade für Kinder sind Erwachsene Vorbilder und sobald diese atypisch agieren, kann dies zu Verunsicherungen führen. Daher eignet sich dieses kurze Buch perfekt, um gemeinsam mit Kindern das Thema Demenz aufzugreifen.

Elisabeth Steinkellner wurde 1981 geboren und wuchs im südlichen Niederösterreich auf. Lange Zeit wünschte sie sich nichts sehnlicher, als Zirkusartistin zu werden. Als sie zwölf war, und ihre Eltern immer noch keine Anstalten machten, sie endlich in einer Kompanie unterzubringen, änderte sie ihre Pläne und wollte fortan Schriftstellerin werden. Oder Meeresbiologin. Oder Schaufensterdekorateurin. Nach der Matura kam es anders: Sie machte eine Ausbildung zur Sozialpädagogin und absolvierte ein sozialwissenschaftliches Studium. In der Zwischenzeit entdeckte sie die Faszination des Zirkus von Neuem, schwamm in verschiedenen Meeren und dekorierte statt Schaufenstern ihre häufig wechselnden Wohnungen. Nur die Lust am Schreiben will sich in nichts anderes verwandeln lassen und begleitet sie bis heute - zieht immer wieder an ihrem Rockzipfel, schlüpft mitunter nachts unter ihre Decke und hätte am liebsten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Michael Roher wurde 1980 in Niederösterreich geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Krems. Nach Matura und Zivildienst zog er nach Wien, wo er die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolvierte. Seine Liebe zum Zirkus führte ihn schließlich in die spiel- und zirkuspädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zeichnen ist, seit er denken kann, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen.


Fazit:
Gespickt mit netten Illustrationen, bringt "Die neue Omi" das Thema Demenz Kindern näher. Die erwähnten Szenen könnten in jeder Familie auftauchen, sodass dieses liebevolle Buch perfekt geeignet ist, um sich mit dieser Krankheitsform auseinander zu setzen.
Zuerst erschienen bei Splashbooks

Dienstag, 31. März 2015

Burnout-Kids - Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert




Story:
Sie sind ausgelaugt, einfach fertig! Sie müssen perfekt sein für den Auftritt in der Klasse, als wäre es eine Casting-Show. Die Noten müssen stimmen, sonst ist das Leben vorbei, und sie sind nichts mehr wert. Und in der Freizeit wartet schon der nächste Trainer. In der Summe ist dieser Druck auf unsere Kinder unerträglich, denn die Gesellschaft hat sich dem Prinzip Leistung völlig unterworfen. Die Diagnose Burnout ist bei Erwachsenen alltäglich, doch nun bemächtigt sich die Erschöpfungsdepression der Kindheit. Professor Dr. Schulte-Markwort fordert ein Umdenken, damit unsere Kinder andere Werte finden, an denen sie sich orientieren können.

Meinung:

"Burnout bei Kindern? So ein Blödsinn!" Das mag wohl die erste Reaktion sein, wenn man den Buchtitel liest oder sich beginnt mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Doch sobald man die zahlreichen Fallbeispiele von Professor Dr. Michael Schulte-Markwort gelesen hat, erkennt man schnell, wie fortgeschritten dieses Problem bereits ist.

Da wäre als Beispiel die 16-jährige Anna, welche mit ihrer Mutter komplett unauffällig in der Praxis des Hamburgers Kinder- und Jugendpsychiater sitzt. Sie erzählt von Einschlafstörungen, Konzentrationsschwächen und Heulkrämpfen. Bei dem Teenager dreht sich alles um die Schule und dem Leistungsdruck. Dazu gesellen sich die alterstypischen, pubertären Gefühlsschwankungen. Bei Anna diagnostiziert Schulte-Markwort eine Erschöpfungsdepression, das Fachwort für das Burnout-Syndrom.

Anna ist nur eines von zahlreichen Kindern, welches zwar allesamt unterschiedliche Lebensumstände aufweisen aber im Grunde alle dasselbe Problem haben: Es ist einfach zu viel Druck.

Einerseits Druck den man sich selbst auferlegt und andererseits Druck der von der Gesellschaft aufgebaut wird. Vor allem das Schulsystem in der aktuellen Form zwingt Eltern und Kinder in eine ständig steigende Leistungsspirale zu steigen, aus der es scheinbar nur zwei Ausstiegsszenarien gibt: Gymnasium mit Abitur und Studium oder sozialer Abstieg.

Was bedeutet aber dieser soziale Abstieg? Ist ein Lehrberuf weniger wert? Warum können sich manche Eltern keine weiterführende Schule leisten?

Diese Fragen gepaart mit dem Umstand, dass wir in sehr unsicheren und hektischen Zeiten leben, kann Kinder überfordern. Kein Wunder, sind wir doch selbst mit unserem Leben im Grunde oftmals überfordert. Diesen Umstand kann man nur schlecht verbergen und junge Menschen sind hier viel feinfühliger als man annimmt.

Daher spielt bei Dr. Schulte-Markwort vor allem das familiäre Umfeld eine große Rolle. Die Lebensumstände seiner jungen Patienten geben Aufschluss über mögliche Ursachen der Erkrankung und können gleichzeitig auch rasch Lösungen herbeiführen. Dabei stellt sich oft heraus, dass nicht nur die Kinder und Jugendlichen Hilfe benötigen, sondern auch andere Familienmitglieder möglicherweise von einer Erschöpfung oder anderen psychischen Problemen betroffen sind.

Generell schreibt der Autor viel über aktuelle gesellschaftliche Situationen. Der Bogen wird dabei vom Leistungsdruck in der Schule und im Berufsleben bis hin zum "Freizeitstress" der Kinder mit Ballett, Musikunterricht und Sport gespannt. Die Hauptverantwortung in der Kindererziehung lastet nach wie vor auf der Mutter, so der Psychiater. Manchmal wird diese Komponente gar deutlich hervorgehoben.

Jener Teil, welcher sich mit konkreten Behandlungsformen beschäftigt, ist eher kurz gehalten. Musterlösungen für psychische Probleme gibt es eben nicht. Für jeden Menschen muss eine passende Behandlungsmethode, ob medikamentös oder mittels Psychotherapie oder eben beidem, gefunden werden. Von daher darf man sich auch nicht erwarten, dass man nach der Lektüre dieses Buches, weiß wie all die Probleme des täglichen Lebens zu bewältigen sind. Auf jeden Fall regt es an um sich selbst und seine Kinder zu reflektieren und im besten Fall den Gang zu einem Facharzt lieber früher als später anzutreten.

Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort, geboren 1956 in Osnabrück, studierte Medizin und Philosophie in Marburg und Kiel. Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lübeck erwarb er den Zusatztitel Psychotherapeut mit Schwerpunkt Psychoanalyse und Psychodrama. 1997 habilitierte er und wurde Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Hamburg. Seit 2004 ist er Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Altonaer Kinderkrankenhaus. Nach Fachveröffentlichungen u.a. zum Thema Magersucht widmet er sich nun dem brennenden Problem des Burnout bei Kindern- und Jugendlichen, das er erstmalig für Deutschland diagnostiziert hat.



Fazit:

Das Thema Erschöpfungsdepression bzw. Burnout hat nun Kinder erreicht und ist weit verbreitet in Deutschlands Haushalten. Dr. Schulte-Marktwort kann dies mit zahlreichen Beispielen belegen. Musterlösungen darf man sich von diesem Buch keine erwarten, es macht jedoch Mut um selbst aktiv zu werden.
Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Montag, 30. März 2015

Darm mit Charme (Hörbuch)




Story:
Ausgerechnet der Darm! Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unangenehm war. Aber dieses Image wird sich ändern. Denn Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einer gestörten Balance der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen, länger leben und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Das zumindest legen die neuesten Forschungen nahe. In diesem Buch erklärt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders vergnüglich, welch ein hochkomplexes und wunderbares Organ der Darm ist. Er ist der Schlüssel zu einem gesunden Körper und einem gesunden Geist und eröffnet uns einen ganz neuen Blick durch die Hintertür.



Meinung:
Beim ersten Blick mag das Thema schon etwas untypisch wirken. Ein Buch, das sich voll und ganz dem menschlichen Darm und dessen Entleerung widmet, ist ein Novum. Vor allem, da dies auf eine humorvolle und gleichzeitig interessante Art und Weise passiert.

Die 25-jährige Medizinstudentin Guilia Enders erkannte schon in ihrer Jugend, dass der Darm Verursacher einiger Probleme im Körper sein kann. Gleichzeitig leistet dieser wertvolle Arbeit. Schließlich stellt er über zwei Drittel des menschlichen Immunsystems dar und filtert aus der Nahrung die wichtigsten Stoffe heraus. Auch ein großer Teil der Gefühlswelt spielt sich in der Mitte unseres Körpers ab.

In "Darm mit Charme" räumt Enders dabei mit einigen Vorurteilen und falschen "Weisheiten" der Vergangenheit auf. Bei so einem delikaten Thema wie diesem, wird auch nicht mit Details nicht ausgespart. Egal ob es um die richtige Position beim "Kacken" geht oder ob man sich das "Pupsen" wirklich verkneifen soll, es gibt kein Tabu. Durch die jugendliche Sprache werden auch komplexe anatomische Zusammenhänge leicht verständlich erklärt. Ob man nun Gefallen an dieser Ausdrucksweise findet oder nicht, muss der Leser für sich selbst entscheiden. Nachdem es sich um keine Fachliteratur im klassischen Sinn handelt, darf das schon mal erlaubt sein.

Nicht nur das Verdauungsorgan an sich steht im Mittelpunkt, auch andere damit verbundene Themen werden von der jungen Mannheimerin behandelt. Dazu gehören Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten, die Umwandlung von Nahrung in Energie oder die Gegenwirkung zwischen Darm und Gehirn.

All diese komplexen Zusammenhänge werden verständlich und nachvollziehbar erklärt. In diversen Fachforen werden zwar einige Thesen wie die Versorgung des Gehirns mit Energie kritisch hinterfragt. Dem Laien bleibt aber nur übrig, der Autorin zu glauben. Der Hauptteil, nämlich jener über den Darm und dessen Zusammenspiel im Körper, wird einhellig als positiv beschrieben. Der Text wird außerdem mit einfach gehaltenen Illustrationen von Jill Enders, der Schwester der Autorin, ergänzt.

Nachdem Giulia Enders 2012 den 1. Preis beim Science-Slam erreichte, schrieb sie dieses Buch und macht nun ihre Doktorarbeit an der Medizin-Universität in Frankfurt. Das (gekürzte) Hörbuch wird von der Autorin selbst gelesen. Streckenweise ist die Vertonung etwas monoton, die mangelnde Erfahrung als Sprecherin ist jedoch zu entschuldigen.


Fazit:
Wer hätte wohl gedacht, wie interessant das Thema "Darm" sein kann? Die junge Guilia Enders bringt dem Leser (bzw. dem Hörer) spannende und komplexe Details auf eine humorvolle und blumige Art und Weise näher. Ein Pluspunkt der gebundenen Ausgabe sind die netten Illustrationen. Ein kleines Manko der Hörbuchausgabe ist die streckenweise monotone "Lesung" der Autorin.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Donnerstag, 12. Februar 2015

Wozu braucht man eigentlich einen Papa?



Story:
Was Papa kann, kann Mama auch! Oder? Papa weiß, wie man die Waschmaschine repariert. Doch als Mama sich mal um den kaputten Staubsauger gekümmert hat, konnte man ihn hinterher sogar als Föhn benutzen. Papa spielt gut Fußball. Mit Mama in der Mannschaft fliegt aber nicht nur der Ball ins Tor, sondern gleich noch ein Schuh hinterher. Papa ist ein echter Grillmeister. Doch wenn Mama die Würstchen dreht, kommt sogar die Feuerwehr, um mitzufeiern. Ganz klar: Keiner von beiden ist perfekt, aber gemeinsam sind Mama und Papa ein tolles Team!

Meinung:
Der Titel ist wohl bewusst provokant gewählt, doch beim zweiten Blick entpuppt sich "Wozu braucht man eigentlich einen Papa?" als spaßiges Bilderbuch für die ganze Familie.

Das klassische Familienbild mit Vater, Mutter und Kindern ist immer seltener anzutreffen und von daher muss oftmals eine Mama viel mehr leisten, als "nur" zu kochen und ein Papa beschränkt sich auch nicht mehr alleine auf das Reparieren von Gegenständen. Familien und deren Mitglieder sind mittlerweile richtige "Allroundtalente". Da kann man schon mal provokant die Frage stellen, braucht man wirklich beide Elternteile?

Da dies wohl zu endlosen Diskussionen mit zahlreichen Pro- und Contra-Argumenten führen würde, haben sich die beiden Autoren Wolfram Hänel und Ulrike Gerold entschieden, ein knackiges und witziges Bilderbuch herauszugeben. Gepaart mit liebevollen Illustrationen von Stefanie Reich ist somit ein familientaugliches Buch ab ca. vier Jahren entstanden.

Dass man die kurzen Texte nicht allzu ernst nehmen darf, beweisen dann die Bilder. Die Mama erfindet dann schnell mal neue Regeln bei "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht", schießt Tore mit dem Fußball und den Schuhen oder setzt bei der Waschmaschinenreparatur alles unter Wasser.

Zwar ist der Inhalt mit 16 Doppelseiten ziemlich knapp bemessen. Doch damit hat das Buch für einen kurzweiligen Lesespaß die optimale Länge.

Der 59-jährige Wolfram Hänel ist studierter Germanist und Anglizist und ist seit Beginn seines Berufslebens in der kreativen Branche tätig. Seit 1987 schreibt er überwiegend Kinder- und Jugendbücher. Daneben hält er zahlreiche Lesungen an Schulen und Büchereien. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau Ulrike Gerold, selbst erfolgreiche Autorin, in Hannover.

Stefanie Reich illustriert zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Ihre Figuren sehen sich zwar meistens sehr ähnlich, doch dies ist bestimmt kein Nachteil. Mit Liebe zum Detail transportiert sie dabei den Text in das Visuelle.


Fazit:
Ein kurzweiliges Bilderbuch für die ganze Familie, welches auf etwas provokante Art und Weise die Wichtigkeit von Mamas und Papas herausstreicht. Trotz des kurzen Inhalts ist "Wozu braucht man eigentlich einen Papa?" ein nettes Leseerlebnis.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Dienstag, 10. Februar 2015

Alle meine Monster 1: Das Geheimnis der grünen Geisterbahn



Story:
Max lässt sich von seiner Schwester Dodo zu einer schaurigen Wette überreden. Er soll eine halbe Stunde allein in einer stillgelegten Geisterbahn verbringen. Kaum hat er zitternd das grüne Gebäude betreten, wird die Tür hinter ihm zugeworfen, und etwas Raues, Kaltes berührt ihn am Arm. In der Geisterbahn verbirgt sich nämlich ein gruseliges Geheimnis …



Meinung:
Der Ueberreuter-Verlag bringt nach 20 Jahren eine Neuauflage von Thomas Brezinas Kinderbuchreihe "Alle meine Monster" heraus. In dieser trifft der zehnjährige Max Müller in einer alten Geisterbahn am Rummelplatz auf diverse Monster. Diese sind allesamt liebevoll beschrieben und im vorliegenden Buch auch gezeichnet. Das Repertoire reicht da von einem Füsschen, einer uralten Mumie, dem Neffen von Graf Dracula oder Nessina, dem Monster von Loch Ness.

Eltern können jedoch beruhigt sein. Die vorhin genannten und weiteren Monster des Buches sind allesamt nicht furchteinflößend, sondern verleiten die jungen Leser zum Schmunzeln.

Da sei Boris, Frankensteins erstes Monster, genannt, welches zu Kurzschlüssen neigt. Ebenso witzig sind aber auch die Szenen zwischen Max und seiner älteren Schwester Dodo, welchen ihren Bruder als lästiges Anhängsel sieht. Wer Geschwister hat, kann diese Situation wohl nachvollziehen.

Nachdem sich Max mit den Monstern angefreundet hat, versucht er deren letzten Zufluchtsort, die alte Geisterbahn, zu retten. Diese soll bald einem großen Bauprojekt weichen. Dodos Freund, der Sohn des Baumeisters, kommt da Max gerade recht. Der sonst so ängstliche Junge schmiedet somit einen Plan um die Geisterbahn und somit seine Freunde zu retten.

Für die Neuauflage wurde der argentinische Illustrator Pablo Tambuscio verpflichtet, welcher die Charaktere bereits 2012 in der spanischen Auflage der Serie "Todos mis monstruos" zum Leben erweckte. In der ursprünglichen Auflage stammten die Zeichnungen vom Münchner Bernhard Föhrt.

Der Autor Thomas Brezina ist im deutschsprachigen Raum aus den Bücherregalen der Kinderzimmer nicht mehr wegzudenken. Egal ob "Knickerbockerbande", "Tom Turbo" oder "Sieben Pfoten für Penny" - mit mehr als 500 verfassten Büchern gehört Brezina zu den produktivsten und dabei auch qualitativsten Autoren von Kinder- und Jugendbüchern.


Fazit:
Dank der liebevollen Zeichnungen und der spannenden, sowie lustigen Geschichte, ist der erste Band dieser Reihe von Thomas Brezina für interessierte Kinder im Volksschulalter empfehlenswert.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Montag, 9. Februar 2015

Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus (Hörbuch)


Story:
Der nächste freie Mitarbeiter ist für SIE reserviert! Waffeleis darf nur im Stehen verzehrt werden, Kündigungen sind ausschließlich über eine kostenpflichtige 0900-Nummer möglich, und Bareinzahlungen sind bei der Bank grundsätzlich unerwünscht: Kunden haben in diesem Land nichts zu lachen. Jede Woche beschreibt Tom König in seiner SPIEGEL-ONLINE-Kolumne "Warteschleife", was es heißt, heute Konsument zu sein. Pointiert und mit beißender Ironie schildert er seine Erlebnisse in der Service-Sahara – und deckt auf, wie viele Unternehmen ihre Kunden nach Strich und Faden betuppen. Er erzählt die irrwitzigsten Kunden-Erlebnisse, die SPIEGEL-ONLINE-Leser ihm geschickt haben – und gibt Tipps, wie man sich gegen die Gängelei von Firmen und Behörden wehren kann.


Meinung:
Tom Hillenbrand hat mit seinem Alter Ego Tom König einiges erlebt. Der Wechsel der Hausbank wird da schnell zum Spießroutenlauf. Haben Sie auch einen gelben Zettel im Postkasten, weil Sie der Paketdienst nicht angetroffen hat, obwohl Sie zu Hause waren? Auch das spricht König, teilweise ziemlich überspitzt formuliert, an.
Egal ob's nun ein defekter Router ist, der Warteplatz im Kindergarten, das Laptopverbot im Zug oder die Gestaltung von Supermärkten. Es gibt keine Situation, die nicht irgendwo Probleme bereithält. Viele Dinge ereignen sich wohl tatsächlich so, wie sie König beschreibt. Bei anderen Ereignissen könnte man meinen, der Autor übertreibt und sieht sich prinzipiell im Unrecht.
Hierbei besteht natürlich Gefahr, dass der Autor arrogant oder hochnäsig rüberkommt. Nachdem wohl jeder schon mal ähnliche Erfahrungen in der „Servicelandschaft Deutschland“ gemacht hat, sind diese oft genug ärgerlich – aber sind diese wirklich lustig? Wenn König im Schlussteil zum „Social Media“-Krieg mit den Firmen aufruft, sind leichte Anzeichen von Größenwahn erkennbar. Andererseits beweist er dadurch jene Kaltschnäuzigkeit, welche Unternehmen selbst genügend zur Schau stellen.
Schlussendlich muss man selbst entscheiden, ob man Königs Aussagen für übertrieben oder passend findet.
Zu einem besonderen Erlebnis wird das Buch in der Audioversion. Christoph Maria Herbst verleiht dem Werk dank seiner schauspielerischen Kunst eine besondere Note. Während Call-Center Mitarbeiter immer eine freundliche und sachliche Vertonung bekommen, ist der Erzähler Tom König manchmal hörbar genervt. Hin und wieder bekommt man auch ein „Wiederhören“ mit Herbsts Hitlerinterpretation („Er ist wieder da“). Alleine durch das lebendige Vorlesen, wird der Inhalt positiv aufgewertet. Das Buch selbst ist mit 240 Seiten überschaubar, da sich vor allem gewisse Handlungen wiederholen. Dann wurde eben aus Firma X schnell Firma Y.



Fazit:
"Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus" erzählt wahre Begebenheiten, mit einem Tick Sarkasmus und einem Augenzwinkern. Für den Hörgenuss sorgt Christoph Maria Herbst, der die Vorlage perfekt umsetzt. Mit der Zeit bietet der Inhalt jedoch wenig Neues.

Zuerst erschienen bei:
Splashbooks












Donnerstag, 15. Januar 2015

Warum nur Knallköpfe die Welt vor Killer-Klobrillen retten können


Story:
Wenn sich ein erfolgreicher Kinderbuchautor und ein angesehener Genetiker zusammentun, sprühen die Funken: Thomas Brezina und Markus Hengstschläger erzählen die Geschichte von Jim und seinen Freunden, die so gar nicht der Norm entsprechen...

Eine moderne Rap-Hymne auf die Einzigartigkeit für alle zwischen 9 und 99. Ganz nach dem Motto: Normal kann jeder, anders sein ist cool!

Meinung:
Wer kennt sie nicht? Kinder mit ADHS, Allergien, Migrationshintergrund, Behinderung oder dergleichen.

Der Kinderbuchautor Thomas Brezina ist einer der erfolgreichsten seiner Zunft. Gemeinsam mit dem österreichischen Genetiker Markus Hengstschläger zeigt man in "Warum nur Knallköpfe die Welt vor Killer-Klobrillen retten können", dass eben jene Menschen etwas Besonderes sind und Außergewöhnliches leisten können. Kein Grund also, Kinder und Jugendliche auszugrenzen, welche nicht "normal" sind.

Was ist schon "normal"? Diese Frage wird jeder wohl anders für sich selbst beantworten. Der immer tanzende Jim, der intelligente Alex, die flippige Nell, Irfan aus Indien, die blinde Rhonda, Legastheniker Alex und Nina mit ihren zahlreichen Allergien sind eine bunt zusammengewürfelte Truppe, welche spätnachts zur Schule wollen. Nicht unbedingt um zu lernen, doch um etwas Wichtiges zu erledigen und um sich gegenseitig zu helfen. Doch sie treffen dort auf Klobrillen mit Eigenleben.

Das mag am ersten Blick etwas wirr klingen, doch dahinter versteckt sich eine liebevolle und zum Nachdenken anregende Geschichte über Kinder und deren Eigenheiten. Verpackt in Reimen und Versen und mit zahlreichen, witzigen Illustrationen von Lucie Göpfert entsteht hier eine spannende Geschichte, welche aufzeigt, dass "anders sein" ganz und gar kein Nachteil sein muss.

Brezina und Hengstschläger zeigen kritisch gängige Vorurteile gegenüber dieser "Knallköpfe" auf, wie sich die Autoren auch selbst bezeichnen und bieten gleichzeitig witzige Lösungen für Alltagssituationen.

Thomas Brezina ist ein sehr erfolgreicher deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautor. Sein Motto: Lesen soll ein Abenteuer sein und Spaß machen. Er hat über 550 Bücher geschrieben, die in mehr als 35 Sprachen übersetzt wurden. Für sein umfassendes Werk erhielt er unter anderem das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Thomas Brezina lebt in Wien und in London.

Markus Hengstschläger sorgte mit seiner Forderung nach Peaks und Freaks im Bestseller "Die Durchschnittsfalle" für Furore. Er selbst war mit 16 noch als Punk unterwegs, mit 24 Doktor für Genetik und mit 35 Universitätsprofessor. Heute leitet der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler das Institut für Medizinische Genetik an der Universität Wien.

Fazit:
Bis jetzt wurde Mira Lobes "Das kleine Ich-bin-Ich" herangezogen, um für Kinder auf literarische Weise das "Anders sein" verständlich zu machen. "Warum nur Knallköpfe die Welt vor Killer-Klobrillen" kann diese Aufgabe in Zukunft ebenso gut übernehmen. Flotte Sprüche und witzige Zeichnungen bieten ein modernes Leseerlebnis für Jung und Alt, um sich mit der Thematik "Bin ich anders?" zu befassen.

Zuerst erschienen bei:  Splashbooks

Montag, 12. Januar 2015

tiptoi - Wieso? Weshalb? Warum? - Entdecke den Bauernhof



Story:
Bauernhofbücher gehören zu den Klassikern der Kinderliteratur. Ravensburger erweckt jetzt das tiptoi® Wieso?Weshalb?Warum?-Buch "Entdecke den Bauernhof" mit einem faszinierenden Begleiter zum Leben: dem tiptoi® Stift. Tippen kleine Leser damit auf Illustrationen im Buch, beginnt er mit verschiedenen Stimmen zu sprechen, lebensechte Geräusche wiederzugeben und lädt zu lustigen Spielen ein.

Meinung:
Ravensburger ist mit dem tiptoi-Stift ein genialer Schachzug gelungen. Der orange Stift (kostet rund € 30,-) sieht in etwa wie ein etwas dickerer Kugelschreiber aus und bietet einige interessante Funktionen.Zuerst benötigt man zwei AA-Batterien und je nach Buch oder Spiel braucht man einen PC/Mac, um mittels einer eigenen Software entsprechende Audio-Dateien herunterzuladen.

Im Falle des 16-seitigen Buches "Wieso? Weshalb? Warum? - Entdecke den Bauernhof" ist das nicht notwendig. Selbst ohne Stift bietet das, von Constanze Schargan umfangreich illustrierte, Bilderbuch eine nette und interessante Geschichte. Dabei geht die Autorin Inka Friese liebevoll auf typische Kinderfragen ein, wie zum Beispiel: "Was wächst auf einem Feld?" oder "Wie wird eine Kuh gemolken?".

Der Mehrwert des Buches wird natürlich mit dem, extra zu erwerbenden, tiptoi-Stift ersichtlich. An der rechten unteren Seite findet man einige Symbole. Tippt man mit dem Stift darauf, kann man entweder kleine Minispiele nutzen. Dabei muss man auf einer Buchdoppelseite zum Beispiel einen kleinen Igel finden. Der Stift gibt dann eine Audio-Rückmeldung, ob die Aufgabe korrekt erfüllt wurde.

Hinter dem Symbol "Wissen" verstecken sich kindgerechte Informationen zum jeweiligen Thema eine Seite, sei es beim Kühe melken oder auf wie viel Prozent der deutschen Felder Weizen angebaut wird.

Tippt man auf das Sprechblasen-Symbol wird die Geschichte von Marie und ihrer Familie erzählt, welche auf einem Bauernhof lebt. Dank klarer Aussprache erfährt man allerhand Interessantes rund um das Leben im landwirtschaftlichen Bereich.

Schlussendlich kann man mittels "Entdecken"-Symbol und freier Bewegungen mit dem Stift auf den Seiten zahlreiche Geräusche hören, welche typisch für einen Bauernhof sind. Sei es das Rattern eines Traktormotors bis hin zum Krähen eines Hahns.

Fazit:

Die wundervollen Zeichnungen und eine liebevolle Geschichte alleine machen das Buch noch nicht perfekt. In Kombination mit dem tiptoi-Stift erhalten Kinder jedoch zahlreiche Informationen auf spielerische Art und Weise zum Thema "Bauernhof".

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Samstag, 10. Januar 2015

Die klingonische Kunst des Krieges






Story:
Zehn Grundsätze aus der Zeit des Kahless formten die klingonische Kultur und schworen die Klingonen auf den Weg des Kriegers ein. Mit dieser neuen Übersetzung können Personen aus allen Gesellschaftsschichten - und von allen Welten - diese uralte klingonische Weisheit für sich nutzen und Mut und Disziplin lernen, um Ehre zu erlangen.


Meinung:
Keith R.A. DeCandido ist Spezialist, wenn es um Franchises und im Speziellen um "Star Trek" geht. Als Autor zahlreicher Romane und als überzeugter Judoka lag es daher nahe, dass der New Yorker ein Sachbuch über Kampfkunst verfasst. Genauer gesagt handelt "Die klingonische Kunst des Krieges" vom beliebten und bekannten Volk der Klingonen. Hier tritt der Autor quasi als Übersetzer auf, da das Hardcover-Buch aus der Sicht des Klingonen K'Ratak, Sohn von M'Lind, geschrieben wurde.

In der Einleitung wird die Herkunft von qe'Sa berichtet - der klingonischen Kunst des Krieges. Schon hier zeigt sich, wie viel Liebe zum Detail in diesem Werk steht. Da der ursprüngliche Urheber von qe'Sa nicht bekannt ist, kann K'Ratak auch nur spekulieren und zeigt dabei verschiedene Möglichkeiten auf, wer als Erfinder der Kriegskunst in Frage käme.

Das weitere Buch ist dann in zehn Kapitel aufgeteilt und orientiert sich somit an jene Grundsätze, welche einst Kahless aufgestellt hat. Dabei wird seine ursprüngliche Aussage zitiert und eine entsprechende Interpretation für die Neuzeit vorgenommen.

Für jedes dieser Gebote werden Beispiele aus Schlachten und denkwürdigen Kämpfen geliefert, teils mit farbigen Illustrationen. Einige dieser Szenen mit Worf, Kor und Konsorten sind dem Leser wohl bekannt, während andere Schlachten erfunden sind. Diese fügen sich jedoch perfekt in die Zeitlinie ein und bieten eine differenzierte Sichtweise zur klingonischen Historie.Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass auch aktuelle Buchserien wie "Destiny" oder "Typhon Pact" berücksichtigt wurden.

Neben den zehn Lehrsätzen werden in den Anhängen die klingonischen Waffen vorgestellt und bieten außerdem mit der Suche nach dem "historischen Kahless" einen kontroversen Text, über religiöse, beziehungsweise politische Führer.

Die tolle Aufmachung als Hardcover-Buch mit den farbigen Illustrationen und dem pergamentähnlichem Hintergrund der Seiten, verleiht dem Band eine edle Note.

Fazit:
"Die klingonische Kunst des Krieges" gibt tolle Einblicke in das Wesen der Klingonen und deren Vorstellungen von Ehre, Ruhm und Geschichte. Die hochwertige Ausführung des Buches rundet den Gesamteindruck perfekt ab.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Montag, 22. Dezember 2014

Frohe klingonische WeiHnach't



Story:
Diese urkomische Parodie stellt die Klingonen in den Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte - wo sie auch hingehören -, einschließlich eines Klingolaus mit ausfahrbaren Klauen, Tribbles in den Stiefeln unartiger klingonischer Jungen und Mädchen, und der beseelten Feiertagswärme einer heißen Tasse gewürzten Blutweins. Illustriert auf klassische, von Norman Rockwell inspirierte Weise, ist frohe klingonische WeiHnach't das perfekte Geschenk für jeden Star Trek-Fan!

Meinung:
Wer glaubt, dass Klingonen und Weihnachten nicht zusammen passen, irrt gewaltig! Da das traditionsbewusste Volk seine Ehre und ruhmreiche Geschichte über alles stellt, darf natürlich das beliebte Weihnachtsfest nicht fehlen.
Auf 36 Seiten erfährt man in "Frohe klingonische WeiHnach't" so allerhand Neues. Natürlich sollte man den Inhalt nicht bierernst nehmen, sondern mit einem zwinkernden Auge betrachten.

Illustrator Patrick Faricy hat ganze Arbeit geleistet. So findet man auf den Doppelseiten links Klingonen in weihnachtlichen Situationen, während auf der rechten Seite in Versform die Weihnachtsgeschichte erzählt wird.

Trek-Veteran Paul Ruditis hat diese gekonnt auf die kriegerische Rasse aus dem "Star Trek"-Universum angepasst. Einige nette Anspielungen wie auf Hamlet oder den Klingolaus, welcher von Bird of Preys gezogen wird, dürfen da nicht fehlen.

Mit knapp 40 Seiten und sehr wenig Text ist der Inhalt somit sehr überschaubar. Das Buch lebt von den detaillierten und komischen Illustrationen, ohne sich dabei über Klingonen lustig zu machen. Ehre und Tradition werden hier gekonnt parodiert und präsentiert.



Fazit:
"Frohe klingonische WeiHnach't" ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für "Star Trek"-Fans und für jene, welche das noch werden wollen. Sehr gute Illustrationen und witzige Verse, präsentieren die Weihnachtsgeschichte mal anders.- Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Mittwoch, 19. November 2014

Star Trek Typhon Pact 7: Risiko


Story:
Die Venette-Versammlung war bislang immer unabhängig. Doch nun ist sie im Begriff, zum Brennpunkt einer angespannten militärischen Pattsituation zwischen zwei Machtblöcken zu werden, die nun den interstellaren Raum beherrschen: die Vereinigte Föderation der Planeten und der jüngst geschlossene Typhon-Pakt. Die venettische Regierung bittet die Tzenkethi-Koalition, Teil des Typhon-Paktes, um Schutz innerhalb der neuen Ordnung und stimmt der Nutzung dreier ihrer Versorgungsbasen zu. Doch diese Basen würden im Falle einer Militarisierung die Waffen der Tzenkethi unzumutbar nahe an die Gebiete der Föderation, der Cardassianer und der Ferengi bringen.

Captain Ezri Dax und die Besatzung der U.S.S. Aventine werden zu einer der Venette-Basen geschickt, um herauszufinden, was dort genau passiert. Währenddessen wurden Captain Jean-Luc Picard und die Enterprise einer diplomatischen Mission zugeteilt, die auf dem Venette-Heimatplaneten bei den Verhandlungen zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung vermitteln soll. Doch die cardassianischen Abgeordneten scheinen nicht besonders versessen darauf zu sein, diplomatische Wege zur Klärung der Situation zu gehen. Bald gerät die Angelegenheit außer Kontrolle und steuert auf einen unerbittlichen Krieg zu …

Meinung:
Die Lage am Rande des Föderationsgebietes scheint nun endgültig zu eskalieren. Während man eine Kooperation mit den Ferengi und Cardassianern eingehen konnte, ist das Volk der Venetaner verstimmt, da die Föderation Aufnahmegespräche mit ihnen schlichtweg vergessen hatte. Das gerade die Tzenkethi als neue Verbündete dieser ehrlichen und aufrichtigen Spezies auftreten, löst bei der Föderation ein gewisses Unbehagen aus.

Captain Jean-Luc Picard als Problemlöser der Sternenflotte wird gemeinsam mit weiteren Diplomaten, darunter seiner Frau, geschickt, um mit der venettischen Regierung zu verhandeln. Nachdem sich einige Tzenkethi-Frachter am Weg zu Raumstationen befinden, welche sich in direkter Grenznähe zur Föderation, der Ferengi-Allianz und den Cardassianern befinden, vermutet man nichts Gutes.

Beverly Crusher wird vom Flottenadmiral aufgefordert, der Delegation beizuwohnen. Nicht nur zur Überraschung ihres Mannes, sondern auch des Lesers. Schließlich ist sie Ärztin und keine Diplomatin. Als Grund wird vorgeschoben, dass Picards Frau als einzige vor längerer Zeit Kontakt zu den Venetianern hatte und daher wohl am besten für diese Mission geeignet wäre. Leider bleibt ihr Rolle bei den Verhandlungen dennoch im Hintergrund. Sie freundet sich zwar mit der Ferengi-Botschafterin an, doch hätte es keinen Unterschied gemacht, wenn statt ihr zum Beispiel Geordi Teil dieser Mission gewesen wäre.

Viel interessanter gestaltet sich da die Mission der U.S.S. Aventine unter dem Kommando von Ezri Dax. Ihr wird mit Peter Alden ein Spezialist des Sternenflottengeheimdienstes zur Seite gestellt. Gleichzeitig ist dieser ein alter Studienkollege von Ezri, welchen sie immer bewundert hat. Jetzt ist sie ranghöher als Alden und muss auch bald feststellen, dass sich ihr Bekannter zusehendes verändert hat. Jeglicher Kontakt mit den Tzenkethi führt bei den Agenten zu Aggressionen und Vorurteilen.

Das Verhalten der cardiassianischen Delegation während den Verhandlungen mit der venettischen Regierung mutet sehr seltsam an. Man kann schon richtig Mitleid mit Picard haben, da sich die Situation immer mehr zuspitzt. Die Angst der Föderation, dass sich dieser kalte Krieg jeden Moment entzünden kann, ist spürbar und lastet schwer auf den handelnden Akteuren.

Eine weitere Handlung spielt auf der Heimatwelt der totalitären Tzenkethi, wo schnell klar wird, dass sich eine cardiassiansiche Agentin und ein menschlicher Agent auf dem Planeten befinden, um Daten zu sammeln.

Im Vordergrund stehen jedoch die geheimnisvollen Frachter und die Panik der Föderation vor einem bewaffneten Konflikt. Auch ein Krieg wird mittlerweile in Kauf genommen. Von daher überrascht auch die Paranoia des Agenten Peter Alden gegenüber der Tzenkethi nicht. Für Captain Dax wird dieser Zustand ebenfalls zur Bewährungsprobe, da sie ihrem alten Freund schlussendlich nicht mehr vertrauen kann.

Die britische Autorin Uma McCormack liefert mit "Risiko" ziemlich deutliche Parallelen zum kalten Krieg zwischen Russland und Amerika. Auch wenn die sich nahenden Frachter eine gewisse Bedrohung darstellen, entsteht kaum Spannung. Die Handlung auf Ab-Tzenketh ist zwar sehr interessant. Nachdem jedoch schnell klar wird, dass sich dort Agenten befinden, wird das Ende des Romans immer offensichtlicher.

Nachdem dies gleichzeitig auch das Ende der "Typhon Pakt"-Reihe darstellt, bleibt ein etwas fahler Beigeschmack. Sechs Bücher lang wurde Furcht und Angst geschürt, um jetzt zu einem unspektakulären Ende zu kommen. McCormack zeichnet zwar gekonnt das geänderte Verhalten der Föderation, doch viele Fragen bleiben nach diesem Roman offen. Allen voran der aktuelle Status der Andorianer bleibt genauso ungewiss, wie die Zukunft des romulanischen Imperiums.


Fazit:
Interessante Einblicke in das totalitäre System der Tzenkethi und ein diplomatischer Wettlauf mit der Zeit wechseln sich mit langatmigen Szenen ab. Die Gefahr eines drohenden Krieges und die damit verbundene Paranoia werden gut umgesetzt, dennoch bleiben zahlreiche Fragen der vergangenen Bücher offen.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Montag, 27. Oktober 2014

Star Trek Typhon Pact 6: Schatten




Story:
Nach den desaströsen Ereignissen im bajoranischen System muss sich Captain Benjamin Sisko mit den Konsequenzen der jüngsten Entscheidungen in seinem Leben auseinandersetzen. Zugleich stehen die Vereinigte Föderation der Planeten und ihre Verbündeten im Khitomer-Abkommen kurz vor einem Krieg mit dem Typhon-Pakt.

Obwohl einige Gruppen innerhalb des Paktes die kürzlichen Gesten guten Willens - die Öffnung der Grenzen und eine gemeinsame Forschungsmission von Föderation und Romulanern - vergeblich nutzten, um einen Quanten-Slipstream-Antrieb zu entwickeln, haben sie ihre Ziele jedoch nicht aufgegeben. Zwischen Romulus und Cardassia, Ab-Tzenketh und Bajor heuern sie eine große Bandbreite von Spezialisten an. Sie verfolgen einen neuen gefährlichen Plan: sich die Technologie anzueignen, die sie für die Kontrolle über den Alpha- und Betaquadranten benötigen.

Während VFP-Präsidentin Bacco und der romulanische Praetor Kamemor fieberhaft daran arbeiten, den Frieden wiederherzustellen, stehen die Captains Sisko, Jean-Luc Picard und Ro Laren an vorderster Front des Konfliktes … gerade als eine neue Gefahr das bajoranische Wurmloch bedroht und es wieder einmal zum Zündpunkt galaktischer Geschichte wird.


Meinung:
Der Vorgänger-Band "Heimsuchung" legte mit der Zerstörung von Deep Space Nine einen ordentlichen Cliffhanger vor. Autor David R. George III gelingt mit dem vorliegenden Buch eine konsequente Fortführung der Ereignisse.

In erster Linie werden die letzten Minuten vor der Zerstörung der Raumstation aus der Sicht der U.S.S. Robinson, der U.S.S. Defiant, des romulanischen Warbirds und von Deep Space Nine selbst erzählt. Somit wird auch schnell klar, dass der Totalverlust des Föderationspostens als letzter Ausweg gedacht und der unbemerkte Transport von Technologie aus dem Gamma-Quadranten das Hauptziel der verdeckten Mission war.

Mit der Vorsitzenden des Tal'Shiar, Sela, und ihrem Kompanion Tomalak, sind zwei Fanatiker am Werk, für die das Wohl des romulanischen Volkes, beziehungsweise ihrem Eigenwohl, alle Wege und Mittel recht sind. Während Tomalak als scheinbar einzig Überlebender von der Sternenflotte in Gewahrsam genommen wird, plant Sela schon weiter. Dazu kommt ein weiterer Nationalist mit cardassianischem Ursprung.

Gemeinsam mit Tzenkethi-Wissenschaftlern ist es gelungen, ein künstliches Wurmloch zu erzeugen. Zwar bei weitem instabiler und kürzer als das bekannte, bajoranische Wurmloch, aber immerhin eine technische Meisterleistung. Mithilfe dieses kleinen Wurmlochs, soll das bestehende Wurmloch in den Gamma-Quadranten quasi angezapft werden, um eine unbemerkte Reise in das Gebiet des Dominions zu ermöglichen. Hier stellt sich wieder einmal die Frage, warum der Typhon-Pakt nach wie vor krampfhaft versucht, den Slipstream-Antrieb zu erlangen, wenn man selbst in der Lage ist, künstliche Wurmlöcher und eine phasenverschobene Tarnvorrichtung zu erschaffen.

Zwischenzeitlich muss Captain Sisko wieder zurück in das Dominion-Gebiet reisen, um nochmals sicherzustellen, dass keine Gefahr aus dem Gamma-Quadranten droht. Obwohl der Captain mit Odo einen ehemaligen Verbündeten als Gegenüber hat, erweisen sich die Gespräche erst nach und nach als fruchtbar. Für den Leser offenbaren sich jedoch eine neue Struktur innerhalb des Dominions und Odo's schwieriger Weg die Gründer und die weiteren Kulturen in einem harmonischen Einklang zu bringen.

Generell bekommen in diesem Buch viele Protagonisten aus "Deep Space Nine" Handlungsräume. Nach der Zerstörung der Raumstation kümmert sich Captain Ro Laren um einen temporären Aufenthaltsort auf Bajor, während Chief O'Brien und Nog wieder zur alten Mannschaft stoßen, um die Konstruktion einer neuen (alten) Station im bajoranischen Sektor zu überwachen. Dr. Bashir ist indes komplett hin und her gerissen bezüglich seiner Beziehung mit Sarina Douglas, welche scheinbar mit der Zerstörung der Station in Verbindung gebracht wurde.

Dieser Handlungsstrang hätte durchaus mehr Raum verdient, vor allem aufgrund des gemeinsam bestrittenen Abenteuers. Somit bleiben die wahren Hintergründe der Sektion 31-Agentin im Dunkeln. Der wahre Attentäter wird zwar überführt, dennoch hätte man Bashirs Unsicherheit bezüglich seiner Geliebten näher beleuchten können.

Einen großen Teil hingegen nehmen abermals die Verabschiedung von Captain Elias Vaughn und die Familie Sisko/Yates ein. Garniert von einigen Visionen mit Siskos altem Ego aus dem 20. Jahrhundert, Benny Russel, versucht Kassidy, beziehungsweise Kira, einen Ausweg für die familiären Anspannungen zu finden. Während Sisko ja nach wie vor davon überzeugt ist, dass die Propheten ein Zusammenleben mit seiner Frau und Tochter für unmöglich halten, ergibt sich nach einigen seltsamen Szenen von Vedek Nerys ein dramatisches und unerwartetes Spannungsmoment.

"Schatten" bringt die Handlung insgesamt gut voran, wenn gleich dieses Mal keine allzu großen Überraschungen zu erwarten sind. Das ist aber auch gut so, denn gerade die Zerstörung von Deep Space Nine und Siskos wahnhaftes Verhalten wirken merklich in diesem Band nach. Spannend bleibt es auf jeden Fall, wie nun das letzte Buch dieser Reihe die Handlung auflöst, nachdem diese erst in den letzten beiden Romanen so richtig in Fahrt gekommen ist.

Im redaktionellen Teil beschäftigt sich Julian Wangler mit kalten Kriegen im 24. Jahrhundert und spannt dabei den Bogen von den Serien bis hin zu den aktuellen Romanereignissen.



Fazit:
Endlich nimmt die Handlung richtig Fahrt auf und bietet einige, temporeiche Handlungsstränge gepaart mit Hintergründen zu diversen Charakteren. Auch wenn einige Szenen nicht unbedingt plausibel erscheinen (künstliches Wurmloch), überwiegen die spannenden Momente. - Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Freitag, 24. Oktober 2014

Star Trek Typhon Pact 5: Heimsuchung





Story:
Nachdem die letzte Borg-Invasion ganze Welten zerstört, dreiundsechzig Milliarden Personen das Leben gekostet und der Sternenflotte einen lähmenden Schlag versetzt hatte, haben sich sechs der Vereinigten Föderation der Planeten feindlich gesinnte Nationen zum Typhon-Pakt zusammengeschlossen: das Romulanische Sternenimperium, die Breen-Konföderation, die Tholianische Versammlung, die Gorn-Hegemonie, die Tzenkethi-Koalition und der Heilige Orden der Kinshaya.

Beinahe drei Jahre fochten die Föderation und die Klingonen als Verbündete innerhalb des Khitomer-Abkommens mit der benachbarten Koalition einen vorwiegend kalten Krieg aus. Doch als die Sternenflotte wieder aufgebaut wird, werden Splittergruppen innerhalb des Typhon-Paktes nervös, aus Sorge um ihre Unfähigkeit, einen Quanten-Slipstream-Antrieb zu entwickeln, der sich mit dem der Föderation messen kann. Werden Anführer wie VFP-Präsidentin Bacco und RSI-Praetor Kamemor einen anhaltenden Frieden zwischen Alpha- und Beta-Quadranten bewirken, oder wird sich der kalte Krieg zwischen den beiden Allianzen verschärfen, und eventuell zu einem ausgewachsenen heißen Krieg führen?

Meinung:
Der "Typhon-Pakt" ist ein bunter Haufen, xenophober Spezies die alle dasselbe Problem haben: die Föderation. Die bisherigen Romane in dieser Serie beleuchteten alle mehr oder minder gut umgesetzt, die verschiedenen Völker und deren Verbindung zur Föderation. Mit dem vorliegenden Roman werden all diese Handlungsstränge zusammengeführt.

Beginnend mit dem Sabotageakt der Utopia Planitia Flottenwerft auf dem Mars, bei dem geheime Pläne zu einem Slipstream-Antrieb gestohlen wurden, erfährt man nun, dass die Breen den Anschlag nur mit Hilfe der Romulaner durchführen konnten. Die neue Prätorin Kamemor hingegen, will den Frieden und die Sicherheit für ihr Volk sichern und lehnt daher gewalttätiges Vorgehen ab. Schnell wird klar, dass hinter diesem Anschlag der romulanische Geheimdienst Tal'Shiar mit deren skrupellosen Anführerin Sela und Captain Picard's langjährigem Intimfeind Tomalak, steckt.

Nachdem Andor als Gründungsmitglied die Föderation verließ, hat nun Präsidentin Bacco alle Hände voll zu tun, die Sicherheit und Stabilität des Planetenverbundes zu sichern. Dafür muss sie auch einige rhetorische Kniffe anwenden, um sich dadurch beispielsweise die Unterstützung der Cardiassianer und Ferengie zu sichern. Vor allem mit diesen Szenen kann der routinierte Autor David R. George III punkten. Die politischen Geplänkel sind sicherlich ein Höhepunkt, während ein weiterer Captain mit seinem Verhalten erneut für Verwirrung unter der Leserschaft sorgen wird.

Nach Benjamin Siskos eher verzichtbaren Auftritt im dritten Band der Reihe, "Bestien", übernimmt der ehemals Abgesandte der Propheten hier eine größere Rolle.

Der gute Captain verhält sich teilweise immer noch sehr irrational. Einerseits getrieben von den Visionen der Wurmlochwesen, andererseits durch seine Schuldgefühle gegenüber seiner Frau Kassidy und seiner Tochter Rebecca. Glücklicherweise konnte sich Sisko an Bord der U.S.S. Robinson etwas mit seinem ersten Offizier anfreunden, um so aus seiner Isolation hervorzukommen.

Nachdem "Bestien" auch schon von David R. George stammt, bleibt der Autor Siskos (Nicht)-Charakterentwicklung treu. Tatsächlich ist das ständige Hin & Her eher nervig und passt so gar nicht zu dem starken Kommandanten, wie man ihn aus der TV-Serie kennt.

Wie sehr der Typhon-Pakt innerlich zerrissen ist, zeigt das Verhalten der Romulaner. Während die Praetorin versucht, eine Art Friedenslösung vorzuschlagen, wird diese umgehend vom romulanischen Geheimdienst Tal'Shiar unterminiert. Eine gemeinsame Forschungsmission in den Gamma-Quadranten der U.S.S. Enterprise und dem romulanischen Warbrid Eltrix endet fatal. In Wirklichkeit suchte ein getarnter Breen-Frachter in einer Schiffswert des Dominion nach Teilen für den Bau eines Slipstream-Antriebs. Hier wird es dann skurril. Einerseits beklagt sich der Typhon-Pakt, dass die Sternenflotte einen militärischen Vorteil durch den neuartigen Antrieb hat, andererseits verfügen die Romulaner jedoch über eine phasenverschobene Tarnvorrichtung. Kurz erklärt: man kann damit getarnt durch feste Materie, wie Mauern, fliegen. Wenn das kein Vorteil ist?

Etwas unplausibel und auch nicht näher erklärt wird die Tatsache, dass man unbedingt Teile von Jem'Hadar-Schiffen benötigt. Scheinbar musste man ein paar Seiten füllen, da das ganze Katz-und-Maus-Spiel mit Dominion, Tomalak und Enterprise aus jetziger Sicht kaum Relevanz für die Handlung hat.

Wirklich dramatisch wird es hingegen zum Ende des Bandes, als die Situation vor dem bajoranischen Wurmloch eskaliert. Deep Space Nine unter Captain Ro Laren entdeckt getarnte Schiffen und Bomben an den Reaktoren der Station. Genau damit endet auch das Buch - mit einem riesigen Cliffhanger: Deep Space Nine explodiert.

Abgerundet wird das Buch mit einem redaktionellen Teil, welcher sich mit dem Thema "Kalten Krieg in Star Trek" beschäftigt, beginnend mit der Zeit rund um die klassische Serie.


Fazit:
David R. George III bringt etwas Ordnung in die bisher etwas verworrene Buchreihe. Zwar werden einige Szenen nochmals aus anderer Sicht behandelt, dennoch bietet vor allem dann das letzte Drittel einiges an Spannung. Nach wie vor missfällt, die Charakterisierung von Benjamin Sisko. Das Hin und Her zwischen Familie, Karriere und Propheten will einfach nicht glaubhaft gelingen. Der Cliffhanger mit der Zerstörung von Deep Space Nine verspricht für die kommenden Bücher noch einiges an Spannung.

Zuerst erschienen bei: Splashbooks

Dienstag, 14. Oktober 2014

Zerbrochener Mond



Story:
Was wäre, wenn der zweite Weltkrieg anders ausgegangen wäre? Wenn ein grausames, totalitäres Regime die Weltherrschaft an sich reißen wollte? Würden wir brav unser armseliges Leben in Zone 7 leben, bei den Ratten und Fliegen, in ständiger Angst vor den Ledermantelmännern? Würden wir vor der Fahne des Mutterlands strammstehen, wie die Musterschüler mit ihren langen Hosen und ordentlich gebundenen Schlipsen? Oder würden wir wie Standish Treadwell, der Junge mit den verschiedenfarbigen Augen, unseren ganz eigenen Weg gehen?

Meinung:
Wenn man den Buchrückentext liest, vermutet man vielleicht einen weiteren der zahlreichen Romane, welche in der Zeit Nazi-Deutschlands spielen. Allerdings wird weder das Wort "Nazi", noch Hitler oder Ähnliches erwähnt und dennoch sind die bewusst gesetzten Parallelen zu dieser schrecklichen Zeit erkennbar.

Im Mittelpunkt von "Zerbrochener Mond" steht der 15-jährige Standish Treadwell, welcher eine Schreib- und Leseschwäche hat, sowie ein blaues und ein braunes Auge. Der Junge schildert sein Leben aus der Ich-Perspektive und macht somit seine sprachlichen Defizite zu einem liebevollen Nebeneffekt beim Lesen. Da wird aus einem verdammt schon mal ein "zerdammt" oder das bekannte, koffeinhaltige Getränk wird zu einer "Croca Cola".

Standish lebt in Zone 7. Wie viele Zonen es gibt, wird nicht näher erklärt. Nur dass Zone 1 den Wohlbetuchten vorbehalten ist, während die Armut und der ständige Kampf ums Überleben in der siebenten Zone an der Tagesordnung steht. Über all das herrscht das Mutterland mit seiner Präsidentin. Dieses totale Regime führt anscheinend Krieg gegen den Rest der Welt und hält sich für eine überlegene und reine Rasse. Wer nicht in dieses Reinheitskonzept passt, verschwindet und wird zu "Madenfutter". Damit alles mit "rechten" Dingen zugeht, sorgen Ledermantelträger.

In 100 kurzen und prägnanten Kapitel erschafft die Autorin Sally Gardner eine surreale Welt voller Furcht und Angst. Menschen sind nichts wert und gleichzeitig absolut austauschbar. Durch die ständig vorherrschende Gewalt und den Existenzängsten der Bürger, werden diese möglichst ruhig gehalten. Den Kindern bleiben nur Tagträume, um wenig später von Schlägen mit dem Rohrstock in das Hier und Jetzt zurückgeholt zu werden.

Als das Mutterland schlussendlich versucht mit einer fingierten Mondlandung seine wahre Größe zu demonstrieren, hat der junge Standish nicht weniger vor, als genau das zu verhindern - alleine.

Die vermeintlichen Schwächen des Hauptprotagonisten sind in Wahrheit seine Stärken und machen ihn sympathisch. Kein Wunder ist doch die Autorin, Sally Gardner, selbst Legasthenikerin und hat erst mit 14 Jahren lesen gelernt. Die Britin hat dann viele Jahre als Bühnenbildnerin gearbeitet bis sie nun Autorin wurde.



Fazit:
Ein bedrückender Jugendroman, welcher alle Aspekte des totalitären NS-Regimes behandelt, ohne mit dem Zeigefinger zu agieren. Mit Standish Treadwell gab es schon lange keine so sympathischen Antihelden. Die zahlreichen Illustrationen runden dieses Buch ab und machen es zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis

Zuerst erschienen bei: Splashbooks